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Ashtanga Yoga & Ashta-Anga Yoga

Als ich bei der Ausbildung diese zwei Begriffe gehört habe, war ich kurzzeitig verwirrt. Wenn wir hier im Westen über Ashtanga Yoga reden, meinen wir oft Ashtanga Vinyasa Yoga und nicht das, was Patañjali in den Yoga Sutren als Ashtanga Yoga gemeint hat. Die Unterscheidung ist essenziell. Warum?

Ashta-Anga Yoga beschreibt den achtgliedrigen Yoga-Pfad gemäß den Yoga Sutren II.28 ff. Das was wir irrtümlicherweise unter Ashtanga Yoga verstehen, ist nur ein einziges Glied aus diesen acht, nämlich das 3. – Asanas.

Im Sutra II. 29 finden wir die Auflistung von allen acht Glieder dieses Pfades:

yama niyama-āsana prāṇāyāma pratyāhāra dhāraṇā dhyāna samādhayo'ṣṭāv aṅgāni

Die Yamas (Umgang mit der Umwelt) und Niyamas (Umgang mit sich selbst) bestehen jeweils aus weiteren fünf Prinzipien.

Yamas (YS II.30)
ahiṁsā-satya-asteya brahmacarya-aparigrahāḥ yamāḥ
Ahimsā bedeutet nicht nur Gewaltlosigkeit, sondern auch das absolute Gegenteil von Gewalt. Es mag verwirrend klingen, aber denke drüber nach... Gewalt umfasst nicht nur unsere Taten, sondern auch Gedanken. Ahimsā ist im Yoga das oberste Gebot, es ist einzuhalten. Satya (Wahrhaftigkeit), asteya (Nicht-Stehlen), brahmacarya (Enthaltsamkeit) und aparigrahāh (kein Verlangen nach Besitz)

Niyamas (YS II.32)
śauca saṁtoṣa tapaḥ svādhyāy-iśvarapraṇidhānāni niyamāḥ
Reinheit (Śauca), Zufriedenheit (samtosa), Selbstdisziplin (tapas), Studieren von alten Schriften (svadhyaya) und „devotion to God“ (Iishvara-Pranidhana)

Āsana – Körperstellungen, Positionen - in der Ashtanga (Vinyasa) Yoga-Tradition nach Pattabhi Jois die 6 Serien

Prānāyāma – Atemübungen zur Lenkung der Lebensenergie (Prana). Während den Übungen wird die Atmung bewusst gesteuert. In der Ashtanga (Vinyasa) Yoga-Tradition wurden Atemübungen von Pattabhi Jois nur für bereits fortgeschritte Schüler vergeben.

Pratyāhāra – Zurückziehen der Sinne - Kontrolle von unseren Sinnesorganen. Unser Geist wird nicht von äußeren Eindrücken abgelenkt.

Dhāranā – Konzentration - den Geist auf einen Punkt fixieren. Während Dhāranā ist unser Citta (Geist) ruhig gestellt. Diese Stufe ist eine Vorstufe zu Dhyāna .

Dhyāna – Meditation - wenn die Vorstufe - Dhāranā  - ohne Unterbrechung über einen längeren Zeitraum anhält, wird über Meditation gesprochen.

Samadhi – komplette Erlösung

Yoga ist eine Lebenseinstellung und jeder kann Yoga praktizieren, da es an jegliche Lebenssituationen anpassbar ist. Was wir „Westler“ meistens als Yoga bezeichnen, sind nur Asanas, aber kein Yoga. Asana ist nur der Anfang.

„Practice and all is coming!"

Um diese kompakte Einführung zu verstehen, muss man einige wichtige Sachen noch dazu erwähnen:

Die Yoga Sutren von Patañjali gelten als eine der wichtigsten Yoga-Schriften. Es ist wichtig zu erwähnen, dass Patañjali die Yoga Sutren nicht selbst erfunden hat. Er hat das bereits vorhandene Wissen gesammelt und in 195 Sutren (Aphorismen) niedergeschrieben. Wer Patañjali war, wissen wir nicht genau. Es wird gesagt, dass er eine Inkarnation von śesha, der Weltenschlange war, daher wird er als halb Mensch und halb Schlange dargestellt. Seine Hände sind in Anjali Mudra vor seiner Brust zusammengeführt. Der Name Patañjali bedeutet: Pat – gefallen und añjali – Opfergabe oder Hände zum Gebet gefaltet. Er ist auf die Erde gekommen um Yoga zu Unterrichten.

Die Sutren sind zeitlose Weisheiten, die wir in unseren Alltagsleben ebenfalls integrieren können.

In den Yoga Sutren sind drei Yoga-Pfade beschrieben, die uns zu Samadhi führen können. Zwei von diesen Wegen sind für bereits sehr Fortgeschrittene. Wir, die sozusagen normalsterbliche Menschen, können aber ebenfalls Samadhi erreichen, indem wir den Yoga-Weg von Ashta-Anga gehen.

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